Die Bahnstrecke Aschaffenburg−Höchst (Odenwald) war eine eingleisige Nebenbahn von Aschaffenburg nach Höchst im Odenwald zur Odenwaldbahn. Da die Bahnlinie durch den Bachgau führte, wurde sie auch Bachgaubahn genannt.

Da die Darstellung der Bachgau-Bahn ständig ergänzt wird sind Informationen, Bilder, Dokumente, Geschichten und Anekdoten immer gesucht und willkommen.

Bernhard Walter


Streckendaten
Kursbuchstrecke (DB):  556
Streckennummer:   5222
Streckenlänge:   29,76 km
Spurweite:   1435 mm (Normalspur)
Größte maßgebende Neigung:   1:41
Kleinster Bogenhalbmesser:   300 m

Streckenverlauf

km Betriebsstelle
0,0 Aschaffenburg-Süd, Abzweig von der Maintalbahn nach Miltenberg
Nilkheimer Mainbrücke (270 m)
Abzweig Schönbusch-Nilkheim (Abzweig Hafenbahn)
3,8 Aschaffenburg-Nilkheim
4,8 Anst Linde
8,6 Großostheim
10,6 Pflaumheim Ort
11,7 Pflaumheim-Wenigumstadt
16,8 Mömlingen Ort
17,9 Mömlingen
Landesgrenze Bayern/Hessen
21,1 Hainstadt (Kr Erbach)
24,6 Neustadt (Odenw)
26,6 Sandbach (Odenw)
29,0 Höchster Viadukt / B 45
29,8 Höchst (Odenw), Anschluss Odenwaldbahn

 

Geschichte

Der Bachgau gehörte fast 550 Jahre zu Kurmainz und wurde 1814 zusammen mit dem Aschaffenburger Umland bayerisch. Die 30 Kilometer lange Bahnstrecke wurde aufgrund eines bayerischen Lokalbahngesetzes vom 12. Juli 1906 sowie eines Staatsvertrages vom 12. April 1905 zwischen dem Königreich Bayern und Großherzogtum Hessen gebaut. Damit bekam auch das hessische Mümlingtal einen Anschluß nach Aschaffenburg. Am 1. Mai 1911 folgte die Inbetriebnahme des ersten Abschnittes zwischen Aschaffenburg-Süd und Großostheim, 18 Monate später, am 1. Dezember 1912, die restliche Strecke nach Höchst.

1973 genehmigte der Bundesminister für Verkehr im Rahmen der Einsparungsmaßnahmen der Deutschen Bundesbahn die Stilllegung der Bachgaubahn.

Am 25. Mai 1974 fuhren die Personenzüge zum letzten Mal und der Gesamtverkehr zwischen Großostheim und Neustadt wurde eingestellt. In den darauf folgenden Wochen und Monaten wurden die Gleise auf dem Abschnitt zwischen Großostheim und Neustadt abgebaut und der fünf Kilometer lange Streckenteil zwischen Neustadt und Höchst der Bundesbahndirektion Frankfurt unterstellt. Der Güterverkehr zwischen Neustadt und Sandbach wurde am 1. Januar 1995 und zwischen Sandbach und Höchst am 31. Dezember 1998 eingestellt, die Stilllegung und der Streckenrückbau erfolgte im Jahr 1999.

Der Güterverkehr zwischen Aschaffenburg-Nilkheim und Großostheim wurde am 28. September 1991 eingestellt, der verbliebene Streckenabschnitt mit dem Anschluss an den Aschaffenburger Hafen wurde betrieblich in ein Bahnhofsgleis umgewandelt.


Heutiger Zustand der Trasse

Im Bereich der Großostheimer Ortsteile Wenigumstadt und Pflaumheim ist die ehemalige Bahntrasse seit 1997 als Geschützter Landschaftsbestandteil naturschutzrechtlich gesichert.

Der markanteste Kunstbau der Strecke, das den Ort Höchst überspannende Viadukt, existiert noch und dominiert das Ortsbild bis heute. Der ehemalige Lokschuppen im Bahnhof Höchst ist heute ein Wohnhaus. Im weiteren Verlauf liegen teilweise bis Neustadt noch die alten Gleise. Zwischen Neustadt und Hainstadt ist der ehemalige Bahndamm und eine Brücke erkennbar. Auch das Bahnhofsgebäude in Sandbach wird privat genutzt.

Auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände in Sandbach wurde inzwischen eine Werkhalle der Firma Pirelli errichtet. Auf der früheren Bahntrasse verläuft heute eine Verbindungsstraße zwischen den beiden in Reifenwerken. Auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände in Neustadt wurden Wohnhäuser und ein Supermarkt errichtet. Zu Beginn des Frühjahres 2008 wurden schließlich auch die Gleise zwischen dem Höchster Viadukt und Sandbach komplett entfernt und die alten Bahnübergänge mit Beton aufgefüllt.


Zukunft

Aufgrund der insbesondere im Berufsverkehr stark angespannten Verkehrslage nach Aschaffenburg, die zu Fahrtzeiten von bis zu 40 Minuten in der Hauptverkehrszeit führt, gibt es in Großostheim und Aschaffenburg Bestrebungen, die Bachgaubahn bis Großostheim zu reaktivieren. Hierzu wurde eine Initiative ins Leben gerufen, die überparteilich Unterstützung findet. Um die Nachfrage auszuloten sowie die Möglichkeiten einer besseren Verkehrsanbindung nach Aschaffenburg zu untersuchen, wurde von Großostheim sowie den Stadtwerken Aschaffenburg ein entsprechendes Gutachten in Auftrag gegeben.


Quellen

  • Fränkische Nebenbahnen - Mittel- und Unterfranken, Bufe - Fachbuchverlag, 1987
  • Nebenbahnen in Unterfranken, Eisenbahn-Fachbuch-Verlag Michael Resch, 2003
  • Wikipedia
  • Main-Echo 30.04.2011, "Vor 100 Jahren der erste Zug"