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Die Spessartrampe von Laufach nach Heigenbrücken
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RE Frankfurt - Aschaffenburg - Würzburg am Schwarzkopftunnel
Die „Spessartrampe“ von Laufach nach Heigenbrücken gehört neben der "Kahlgrundbahn zu unseren Hausstrecken und die Nachbildung im Modell war die Ur-Idee unseres Vereins. Im Jahr 1986, dem Gründungsjahr der Eisenbahnfreunde Kahlgrund, beginnt auch die Geschichte unserer Anlage.

Die Tage der Spessartrampe und des Schwarzkopftunnels sind gezählt, die Bagger und Tunnelbohrer haben ihr Werk vollbracht und die Inbetriebnahme der Neubaustrecke steht unmittelbar bevor.

Mit dem Ende der alten Bergstrecke und damit dem auch dem Ende des Einsatzes von Schiebeloks wird unsere Anlage zu einem historischen Zeugnis der regionalen Eisenbahngeschichte.

Bahnhof Laufach im Modell

Dargestellt auf der Anlage sind der Bahnhof Laufach sowie die markanten Punkte der Bergstrecke bis zum Westportal des Schwarzkopftunnels.

Beginnen wir nun eine Fahrt über die Spessartrampe. Der Zug, von Aschaffenburg kommend, taucht unter der Brücke der A 3 Frankfurt – Würzburg auf. Hier musste die Wirklichkeit etwas verbogen werden, tatsächlich quert die Bahn auf einer Brücke die A 3, aber dies war die einzige Möglichkeit hier glaubhaft in den Modellbahn-Untergrund zu kommen.

Nach kurzer Fahrt – auf der einen Seite der Waldrand, auf der anderen Seite saftige Wiesen im Bachgrund – taucht auch schon die Einfahrt von Laufach auf. Vorbei an Lokschuppen und Wartegleis der Schiebeloks kommt unser Zug am Bahnsteig zum Stehen. Natürlich sind wir mit einem Nahverkehrszug aus Aschaffenburg gekommen, wir wollen ja in Laufach aussteigen, um uns das Ansetzen der Schiebeloks anzuschauen.

Schublok der Baureihe 95 im Bw LaufachEin 'deutsches Krokodil' wartet auf die nächste SchubleistungKaum ausgestiegen, sehen wir auch schon einen schweren Güterzug anrollen. Eine 44 mit einem voll beladenen Kohleganzzug, der Regler ist geschlossen und schon werden die Bremsen angelegt. Der Zug kommt zum Stillstand, die Weiche zum Wartegleis wird umgestellt, und gleich darauf rollt die wartende 95 aufs Hauptgleis. Nach dem erneuten Umstellen der Weiche setzt sich die Schiebelok langsam ans Ende des Zuges, gekuppelt wird die Schiebelok auf der Spessartrampe nicht. Doch noch geht es nicht los – warum wird schnell klar: von Aschaffenburg kommend rollt eine nagelneue E 10 mit ihrem schweren D-Zug ohne Halt durch Laufach. Die elektrische Fahrleitung hängt seit kurzem und ein Teil der Züge verkehrt bereits mit E-Loks. Schnellzüge mit Elektrotraktion benötigen keine Schiebelok mehr, nur Güterzüge mit mehr als 700 t Anhängelast müssen weiterhin nachgeschoben werden. Unter 700 t liegt es im Ermessen des Lokführers, den Schiebedienst in Anspruch zu nehmen. Der Güterschuppen in Laufach Nun ist es soweit, das Ausfahrtsignal steht auf freie Fahrt, die Lokführer verständigen sich mit einigen Pfiffen und mit donnernden Auspuffschlägen nehmen 44 und 95 die Rampe in Angriff.

Jetzt schnell zurück zum Bahnsteig und in den nächsten Zug nach Heigenbrücken, wir wollen ja noch die Rampe „erfahren“. In einer Kurve verlassen wir den Bahnhof, gleich nach der Ausfahrt beginnt die ununterbrochene Steigung bis hoch zum Schwarzkopftunnel. Wir passieren die Eisenwerke Düker, zur damaligen Zeit noch mit 2 Gleisanschlüssen. Hier werden Gußrohre und Armaturen für die Wasserversorgung gefertigt. Der Block Eisenwerk zeigt freie Fahrt und wir nähern uns dem Ort Hain. Unter uns sehen wir die B 26, die unter einem hohen Brückenbogen den Damm der Bahn unterquert und ebenfalls zu den Höhen des Spessarts ansteigt. Aus der nächsten Kurve heraus sehen wir bereits das Portal des Schwarzkopftunnels, auf der rechten Seite zweigt das Wartegleis der Schiebeloks ab – und schon sind wir im Tunnel verschwunden.

Containerzug und ...Chemietransport auf der SpessartrampeJetzt geht es zu Fuß weiter, in Heigenbrücken am anderen Ende des Tunnels sind wir ausgestiegen und über den Berg zurückgewandert. Wir stehen neben der Weiche des Wartegleises und hören aus dem Tal heraus einen näher kommenden Zug. Doch diesmal keine donnernden Auspuffschläge, in der Kurve wird eine E 50 sichtbar mit einem langen Durchgangsgüterzug. Während die Zuglok bereits im Tunnel verschwunden ist, nähert sich das Ende des Zuges und wir erkennen eine der beiden neu in Laufach eingetroffenen E 94, diese haben, nach einem kurzen Zwischenspiel von nagelneuen E 50, die 95 als Schiebeloks abgelöst. Kurz vor dem Tunnel, der Brechpunkt der Steigung ist erreicht, löst sich die Schiebelok vom Zug und bleibt unmittelbar vor dem Tunnel stehen. Anscheinend ist ein Zug aus Richtung Würzburg unterwegs, denn die Weiche wird umgestellt und die Lok rollt ins Wartegleis. Gleich nach Durchfahrt des Zuges kommt die Schiebelok wieder aus dem Wartegleis, stoppt vor dem Tunnel, die Weichenverbindung zum talführenden Gleis wird gestellt und die Lok macht sich über den Gleiswechsel auf den Weg zurück nach Laufach.

Zurück in die Gegenwart und Realität; vor Baubeginn der Anlage hatten wir uns nach einigen Diskussionen entschlossen, die Epoche 3 kurz nach der Elektrifizierung zu wählen. Dies erlaubt uns den Übergang vom Dampfbetrieb zum Elektrobetrieb darzustellen.

Da sich an den Gebäuden im Bahnhof Laufach über die Jahre fast nichts geändert hat, ist es aber durchaus möglich auch mal den Betrieb in der heutigen Zeit durchzuspielen. Ein Auge muß man dabei aber zudrücken, sind doch inzwischen die Gleise zum Lokschuppen verschwunden und die Gleise an Rampe, Güterschuppen und Freiladegleis mussten einem Park+Ride-Platz weichen. Besonders an unseren Ausstellungstagen verkehren typische Züge quer durch die Epochen, schließlich wollen die Kinder die heutigen Stars der Schiene, wie den ICE, sehen. Am Schwarzkopftunnel

Die Ursprünge unserer Anlage liegen inzwischen 30 Jahre zurück, doch auch heute noch wird ständig daran gebaut und natürlich auch renoviert. Nach dem Umzug in unser eigenes Vereinsheim konnten wir die Bergstrecke noch etwas verlängern und haben damit nun die Möglichkeit einen Teil der Eisenwerke Düker darzustellen. Die Rangierfahrten auf dem Anschlußgleis bereichern noch den Betrieb im Bahnhof Laufach. Am vorderen Anlagenrand, zwischen den Eisenwerken und dem hohen Brückenbogen am Ortsausgang von Hain, wurde die B 26 neu angelegt, die Autos verkehren bereits darauf mit Hilfe des Faller Car Systems.
Am meisten geändert hat sich im Lauf der Jahre die Steuerung der Anlage. Nach dem ursprünglichen Analogbetrieb begannen Überlegungen, wie der Schiebebetrieb durchgeführt werden kann. Mit der Digitalisierung der Schiebeloks war die Lösung gefunden, der übrige Betrieb erfolgte weiterhin analog. Mit immer weiteren Verfeinerungen war dies der Stand für viele Jahre. Das Zusammenspiel von Zug- und Schublok erforderte ein gewisses Feingefühl und Aufmerksamkeit. Besonders an Ausstellungstagen kam es immer wieder zu kuriosen Erscheinungen. Der Mann am Regler, abgelenkt durch Gespräche mit Besuchern, verlor den Zug aus den Augen und plötzlich war die Schiebelok im Tunnel verschwunden und geisterte durch den Untergrund der Anlage. Oder die Lok fuhr eine halbe Zuglänge hinter dem Zug, dem sie eigentlich über den Berg helfen sollte. Es begannen dann lange und heiße Diskussionen und am Ende fiel die Entscheidung zur Umstellung auf vollen Digitalbetrieb, zusammen mit einer PC-Steuerung. Unzählige Stunden und ein gewaltiges Engagement mussten unsere Elektronikspezialisten aufbringen, doch der Lohn ist nun ein flüssiger Betrieb. Auch der Schiebebetrieb, natürlich mit vorbildentsprechender Signalisierung und gesichertem Gleiswechsel, läuft automatisch ab. Auch hier geht die Arbeit nie aus, neue Software-Versionen und immer wieder verbesserte individuelle Programmierungen der einzelnen Züge lassen keine Langeweile aufkommen.

Erwähnenswert sind noch die Gebäude: Da es im Modellbahnzubehör nichts annähernd Passendes gab, blieb hier nur der vollständige Selbstbau. Der Bahnhof Laufach liegt ausserhalb der Ortschaft, so mussten nur fünf Gebäude gebaut werden: Empfangsgebäude, Beamtenwohnhaus, Bahnmeisterei, Güterschuppen und Lokschuppen. Zunächst wurde vor Ort ausgiebig vermessen und fotografiert. Da es auch keine passenden Buntsandstein-Mauerwerksplatten als Zubehör gab, wurden die Wände aus glatten Polystyrolplatten geschnitten, die Fenster und Türen mit der Laubsäge ausgesägt und die Mauerstruktur mit Stahllineal und Reißnadel eingraviert. Vor dem Farbauftrag mit Acrylfarben wurden die Wände mit Messingdrahtbürste und Schleifpapier behandelt, um die leichte Rauigkeit des Buntsandsteins herauszuarbeiten. Fenster und Türen stammen aus Kibris Bastelkiste, die Dächer entstanden aus Dachplatten von Kibri und Vollmer, bzw. aus Polystyrolplatten, beklebt mit feinem Schleifpapier als Teerpappenbelag, die Beschriftung wurde am PC gefertigt.

Der Hintergrund zusammen mit der Beleuchtung machen aus einer Anlage erst ein Erlebnis. Auf die zunächst nur himmelblau gestrichene Wand wurde nach und nach der großflächige Hintergrund gemalt. Nach dem ersten Einschalten der neuen Beleuchtung staunten wir alle; wir hatten das Gefühl, eine völlig neue Anlage zu besitzen. Hinter einer Blende sind, nahtlos aneinandergereiht, unter einem Winkel von ca. 30° Leuchtstofflampen mit jeweils zwei Röhren angebracht. Zur Nachtbeleuchtung wurden mit Tauchlack gefärbte Glühlampen eingebaut. Die zunächst eingesetzten blauen Lampen brachten noch nicht das gewünschte Ergebnis. Erst eine Mischung aus 2/3 blauen und 1/3 orangen Lampen imitierte sehr gut eine mondhelle Nacht. Woran jetzt noch gearbeitet wird, ist die Lichtsteuerung zum Übergang vom Tag über die Dämmerung zur Nacht und umgekehrt.

Die Eisenwerke, inzwischen zusätzlich ausgerüstet mit einem funktionsfähigen Ladekran, gehen der Fertigstellung entgegen. Die ersten Autos fahren PC-gesteuert und in Kürze werden Busse ihre Haltestellen ansteuern und LkW zum Be- und Entladen in die Eisenwerke abbiegen.

Der ursprüngliche 10-gleisige Schattenbahnhof unter dem Bahnhof Laufach wurde durch einen Zweiten mit 10 Gleisen unter dem Mittelteil der Anlage ergänzt. Die Gleislängen erlauben die Belegung mit jeweils zwei Zügen, dem Einfahrtsbereich vorgelagert ist ein Gleisdreieck zum wenden ganzer Zuggarnituren. Damit können einschließlich der Blockstrecken bis zu 35 Züge verkehren.