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Streckenbeschreibung

Im Bahnhof Aschaffenburg Süd zweigt von der eingleisigen Hauptbahn Aschaffenburg - Miltenberg die einstige Nebenbahn nach Höchst im Odenwald ab. Im Stadtgebiet verlaufen die beiden Linien nebeneinander, auf den ersten Blick könnte man meinen eine zweigleisige Strecke vor sich zu haben, tatsächlich sind es aber zwei eingleisige, parallel verlaufende Strecken.
Kurz nach dem Ortsende von Aschaffenburg schwenkt der Hafenzubringer nach rechts weg und überquert auf einem kleinen Sandsteinviadukt die Straße Aschaffenburg - Obernau.
Im weiten Bogen, auf einem Damm gelegen, streben die Gleise durch die Mainaue dem Fluß zu, der auf der Nilkheimer Brücke, einer 270 m langen Stahlfachwerk-Bogenbrücke überwunden wird.

Kurz nach der Mainbrücke wird auf einer weiteren kleinen Brücke die Großostheimer Straße überquert. Diese Brücke mit einer lichten Durchfahrtshöhe von nur 3,6 m bildet für den heutigen Lkw-Verkehr ein unüberwindliches Hindernis, trotz aller Hinweisschilder und Warneinrichtungen bleiben unaufmerksame Lkw-Fahrer immer wieder vor oder gar unter der Brücke hängen.
Entlang des Landschaftsparks Schönbusch geht es nun zum Abzweig Schönbusch-Nilkheim, die einstige Nebenbahn nach Großostheim - Höchst (Odw) ist längst abgebaut, nur eine kurze Stichstrecke zum Industriegebiet Nilkheim-West existiert noch.
Ab jetzt sind wir auf dem eigentlichen Streckengleis der Hafenbahn und in einer weiteren Rechtskurve wird die Darmstädter Straße (B 26) unterquert, unmittelbar vor der Brücke steht das Einfahrsignal des Hafenbahnhofs. Nach einer weiteren Straßenbrücke (Abzweig B 26 - Hafen Ost / Leider) wird vorbei am Stellwerk der Hafenbahnhof erreicht. Bis heute ist die klassische mechanische Stellwerkstechnik erhalten geblieben und im Gebrauch. Das östliche Ende des Hafenbahnhofs bildet ein Ausziehgleis, in dem alle Rangier- und Abstellgleise münden.

Am westlichen Bahnhofskopf liegen in Keilform zwischen dem Streckengleis und den Zubringergleisen zu den Hafenbecken die Betriebswerkstätten mit Drehscheibe und Rundlokschuppen.


Bahn- und Hafenbetrieb

Dienstkohlenkai
Eine Hauptaufgabe des Neuen Hafens war zunächst die Versorgung des bayerischen Bahnnetzes mit Dienstkohle, also der Kohle zum Betrieb der Dampflokomotiven, genauso wie Kohle zur Beheizung der vielen Bahngebäude und auch der Bahnkraftwerke.
Auf der Südseite des Hafenbeckens II lag der "Dienstkohlenkai", hier wurde die Ruhrkohle aus den Schiffen entladen und zwischengelagert. Die Ausrüstung dazu mit Verladebrücken und Kränen ist bereits in der Hafengeschichte beschrieben. Einer dieser Kohlenkräne ist erhalten geblieben und steht heute am Ende des Hafenbeckens als Denkmal. Aus dem Lager oder direkt aus den Schiffen wurden die Kohlenzüge zur Versorgung der Bahnbetriebswerke beladen. Dazu dienten drei Parallelgleise zwischen Hafenbecken und Kohlelager, mehrfach untereinander verbunden durch Gleiswechsel.
Die Deutsche Reichsbahn verlagerte immer mehr den Dienstkohlenverkehr auf die Schiene, so verlor der Hafen 2/3 des Kohleumschlags.
Die Bayernwerk AG errichtete 1951/52 ein Kohlekraftwerk auf dem Gelände, das ursprünglich für die nie gebauten Hafenbecken III und IV vorgesehen war und damit verlor der Dienstkohlenkai die Funktion als Kohleverteiler, per Bahn und Schiff wurde jetzt die Kraftwerkskohle angeliefert und gelagert.
Nach der Stillegung und dem Rückbau des Kraftwerkes im Jahr 2000 bestand kein weiterer Bedarf an diesen Massengut-Umschlagskapazitäten. Bereits 1999, der Block 1 des Kraftwerkes war seit 1997 in die Kaltreserve überführt worden, entstand auf einer Teilfläche des Kohlelagers ein Containerterminal mit 15.000 m². Dazu wurde die für den Kraftwerksumschlag neu gebaute Ladebrücke für den Containerumschlag umgerüstet. Seither ist das Terminal 3-4 mal je Woche per Schiff mit den Westhäfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen verbunden. Ebenfalls 2-3 mal je Woche stellen Containerzüge die Verbindung zu den Nordhäfen Hamburg und Bremerhaven her.
Auf einer weiteren Teilfläche entstand bis 2007 eines der größten Laubholzsägewerke Europas. Rundholz wird per LkW (aus Spessart und Odenwald), sowie aus weiter entfernten Gebieten per Bahn und Schiff angeliefert, Schnittholz vor allem in Containern in die ganze Welt exportiert.
Auf dem letzten Teilstück findet sich heute eine Edelstahl-Recyclingfirma. Edelstahlschrott wird sortiert, aufbereitet und mit der Bahn den Stahlwerken zugeführt.

Am westlichen Ende des Beckens II unterhielten die Aschaffenburger Zellstoffwerke AG, Werk Stockstadt zeitweilig einen Lagerplatz. Dieser war mit dem Werk durch eine eigene Bahn mit einer Spurweite von 600 mm verbunden. In "Leben in Leider" ist auf Seite 163 ein Bild zu finden mit einer B-gekuppelten Feldbahn-Dampflok und 2 Kastenloren, dazu ist zu lesen, daß die betriebseigene Bahn Holz vom Hafen in die Fabrik transportierte. Aufgrund der Kastenloren mit der erkennbaren Ladung ist zu vermuten, daß die Bahn auch der Kohleversorgung der Dampfkesselanlage des Werkes diente. Am Lagerplatz war eine Wendeschleife mit Ladegleisen angelegt (s. Gleisplan 1932, im Gleisplan von 1924 ist die Bahn noch nicht verzeichnet). Wann diese Bahn eingestellt und abgebaut wurde konnte bisher noch nicht ermittelt werden.

Privatkohlenkai
Auf der Fläche zwischen den Hafenbecken I und II entstanden ursprünglich die "Privatkohlenkais I und II". Die dort ansässigen Kohlengroßhändler versorgten die Region mit Brennstoffen. An der nördlichen Seite des Beckens II lag der Privatkohlenkai II mit den Firmen Wünschermann GmbH, Vereinigungsges. Rhein-Braunkohlenbergwerke GmbH, Harpener Bergbau AG, und J.E. Neckermann Kohlenhandlung Würzburg.
Die südliche Seite des Beckens I bildete den Privatkohlenkai I mit den Firmen Johann Noll u.Co. und Haniel & Co.GmbH.
Aus heutiger Sicht mag es verwundern, welch gewaltige Fläche für den Kohleumschlag belegt war. Man muß sich erst in Erinnerung rufen, welche überragende Bedeutung die Kohle einst als Energieträger hatte. Im Aschaffenburger Hafen lag in den 1920er Jahren bei einem Schiffsumschlag von ca. 1 Mill. t/Jahr der Anteil der Kohle bei ca. 60 %. Erst zu Beginn der 1960er Jahre vollzog sich der Wechsel, dann aber in rasantem Tempo, zum Öl und noch später auch zum Erdgas als neue Energieträger. In der Folge verschwanden dann die Kohlegroßhandlungen und Tanklager für Ölprodukte sowie der Umschlag von Baustoffen und Industrieholz nahm ihren Platz an den Privatkohlenkais ein.

Handels- und Industriekai
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